Die Rapoports

Drehbeginn für eine neue Dokumentation

Am 21.5.2003 haben die Dreharbeiten für eine turbulente Familiengeschichte zwischen Wissenschaft, politischen Systemen und vier Kontinenten begonnen. Die Autoren sind Britta Wauer und Sissi Hüetlin.

 

Mitja Rapoport und Ingeborg Syllm lernen sich 1944 am Children‘s Hospital in Cincinnati, USA kennen. Inge hatte sich als Kinderärztin am Krankenhaus beworben, Mitja ist schon seit acht Jahren in Cincinnati und bereits ein bekannter Biochemiker. Beide haben ein ähnliches Schicksal hinter sich: Sie sind als Juden Hitlerdeutschland entkommen und haben in den USA eine neue Heimat gefunden. Als Biochemiker entdeckt Mitja Anfang der 40er Jahre die Möglichkeit, rote Blutkörperchen haltbar zu machen – bis heute die Vorraussetzung für Blutkonserven. Den Amerikanern hilft das, ihre Verwundeten auf den Schlachtfeldern des 2. Weltkrieges zu versorgen. Mitja erhält dafür von Präsident Truman einen der höchsten Orden der USA. Da er aber zeitgleich mit seiner jungen Frau Freizeittreffs zwischen Schwarzen und Weißen organisiert, lässt ihn das als “Kommunisten” verdächtig erscheinen. Er befindet sich auf Vortragsreise in Europa, als er hört, dass sich deshalb das McCarthy-Tribunal mit ihm befasst und veranlasst sofort die Ausreise seiner hochschwangeren Frau und der drei gemeinsamen Kleinkinder zu ihm nach Wien. Doch auch dort bewirken die Amerikaner, dass er keine weitere Anstellung bekommt. Ausgerechnet die DDR nutzt ihre Chance und beruft den weltberühmten Biochemiker und seine Frau, die Professorin für Kinderheilkunde, 1952 an die Ost-Berliner Charité.

 

Bis heute leben die beiden bekennenden Kommunisten in Berlin-Pankow. Wer nur wenige Stationen im Leben der heute 90jährigen kennt, die wichtigsten davon in den USA, Japan, Österreich und Ost-Berlin, fragt sich, wie diese Frau mit ihrem nicht minder berühmten Mann bis heute an die Ideale einer als gescheitert geltenden Gesellschaftsform glauben kann.

 

"Die Rapoports" wird das Porträt zweier ungewöhnlicher Menschen, die mit ihrem Charme und ihren Neckereien wirken, als seien sie noch immer frisch verliebt.

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