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2005- kino

Alexander Reschke (Ende 50) will in Danzig, der Stadt seiner Kindheit, Grabplatten mit erotischen Skulpturen studieren. Kurz nach dem Fall der Berliner Mauer ist ganz Osteuropa und auch Polen im Umbruch. Am Tag vor Allerheiligen lernt der Kunsthistoriker auf dem Markt die polnische Restauratorin Aleksandra Piatkowska (Mitte 50), die Blumen für das Grab ihrer Eltern kaufen will, kennen. Alexander ist beeindruckt von der energischen Frau und will ihr die Blumen schenken, aber sie lehnt ab. Schließlich willigt sie aber ein, dass Alexander ihr Steinpilze am Stand von Erna Brakup (Ende 70) kauft.

Gemeinsam gehen Alexander und Aleksandra auf den Friedhof. Er erzählt von seiner Kindheit in Danzig. Auch die Polin wurde vertrieben. Sie stammt ursprünglich aus dem litauischen Wilna und musste vor den Russen fliehen. Bei dem gemeinsamen Abendessen ist die Sympathie der beiden Verwitweten füreinander unübersichtlich. Zusammen entwickeln sie eine Idee: Was wäre, wenn sie eine Stiftung gründen würden, die Vertriebenen eine Bestattung in ihrer Heimat ermöglicht? Ein Versöhnungsfriedhof für Deutsche in Danzig und Polen in Wilna. Am nächsten Tag machen sie sich auf die Suche nach einem geeigneten Gelände für ihren Versöhnungsfriedhof. 

Wenige Monate später ist aus der Idee Wirklichkeit und aus Alexander und Aleksandra ein Paar geworden. Beide waren nicht untätig. Alexander hat von den deutschen Vertriebenen eine Finanzierung erhalten, gemeinsam haben sie eine Stiftung mit polnischen und deutschen Gesellschaftern gegründet. Auch die Marktfrau Erna sitzt im Vorstand. Als der Versöhnungsfriedhof in Danzig mit der ersten Beisetzung eröffnet wird, haben Aleksandra und Alexander Tränen der Rührung in den Augen. Einen Wermutstropfen gibt es trotzdem: Bei den Russen in Wilna fand die Idee noch keinen Anklang. 

Es dauert jedoch nicht lange, da gibt es den ersten Streit unter den Stiftungsmitgliedern. Alte Gräben brechen wieder auf, der Versöhnungsfriedhof wird mehr und mehr kommerziell vermarktet, während Aleksandras und Alexanders Herzensanliegen der Völkerversöhnung in der Hintergrund gedrängt wird. Aus der gemeinnützigen Stiftung ist ein florierendes Unternehmen geworden ist: Immer mehr Leichen kommen aus Deutschland in Danzig an, Umbettungen längst Verstorbener finden statt. Der Kapitalismus siegt über die ideellen Absichten. Erna Brakup gibt enttäuscht den Vorsitz ab. Und auch Alexander und Aleksandra erklären wenig später ihren Rückzug aus dem Projekt, denn von ihrem Grundgedanken der Versöhnung ist nicht mehr viel übrig geblieben. 

Wenigstens haben sie dadurch ihre persönliche Freiheit wieder gewonnen. Sie heiraten. Die Hochzeitsreise führt das glückliche Paar nach Italien. Schöner kann es gar nicht werden. Bei einem Unfall kommen beide ums Leben und werden fernab ihrer Heimat auf einem idyllischen kleinen Friedhof begraben

Besetzung

Mathias Habich, Krystina Janda, u.a.

Stab

Regie»Robert Glinski

Drehbuch»Klaus Richter

Kamera»Jacek Petrycki

Schnitt»Krzysztof Szpetmanski

Ton»Gregor Voigt

Szenenbild»Jochen Schumacher

Kostümbild»Bea Gossmann

Maske»Liliana Galazka

Produktionsleitung»Gregori Winkowski

Herstellungsleitung»Hartmut Köhler

Producer»Dr. Ursula Vossen

Koproduzent»Ziegler Film GmbH & Co. KG, Filmcontract Ltd.

Produzent»Elke Ried, Regina Ziegler, Henryk Romanowski